Thursday, March 17, 2011

the beauty and the beast

Manchmal liegen Glück und Trauer sehr nahe beieinander. So wie am vergangenen Wochenende. Nach langer Zeit ging es wieder in den Süden zu meiner Freundin, vorher hatte ich Seminar und war quasi von der Außenwelt abgeschnitten. Ich komme an und erfahre erstmal: Unglück in Japan, Erdbeben, Tsunami. Es war keine Angst da, keine Sorge - so wie ich eben bin. Erst fallen, dann weinen.
So verging der Freitag also eigentlich schön. Endlich wieder Nähe, endlich wieder SIE im Arm, endlich wieder sie riechen, hören, schmecken - ich habe sie wirklich vermisst. In gemütlicher Runde mit ihren Eltern und ihrer Tante am Tisch sitzen und reden, ihre Hand dabei in meiner... so etwas nennt man Glück. Trotz unendlicher Müdigkeit blieb ich wach - für sie. Um drei Uhr nachts noch "Brötchen" gebacken und danach einfach nur tot ins Bett gesunken, mit ihr im Arm eingeschlafen. Glück pur.

Der Samstag begann dann übel. Es macht hilflos zusehen zu müssen wie die Freundin sich im Bett windet, die Augen flackern, der Atem nur ganz flach geht, sie sich den Bauch hält. Und du kannst nichts machen außer aus dem was da ist etwas zu machen. Also erstmal Wärmflasche gemacht (zehn Stunden gebraucht bis ich das Prinzip ihres Wasserkochers verstanden hab U///u), ihr Schmerztabletten und Wasser gereicht und gehofft dass es irgendwie besser wird. Aber nichts. Keine Veränderung und die Panik in mir wuchs. Schließlich der letzte Weg: Flucht nach vorne. Kippen gepackt weil ich nicht in ihrer Wohnung rauchen wollte, Geld gepackt und auf zu Netto, Entspannungstee und Multivit gekauft, wieder zurück - und sie schlief. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Leise das Lernzeug hergepackt und gelernt, sie schlafen gelassen. 
"Schatz?" 
Noch immer habe ich den Klang ihres Rufs in meinem Ohr. Ich dachte ich dürfte ihn nie wieder hören. Sie war wach, ihr gings besser und nach Multivit und Tee machten wir uns fertig und auf gings in die Stadt. Das Que tal ist von den Cocktails her MEGA. Für 6 Euro kriegt man hier einen Doubledecker - wahnsinn! Nur leider ist die Ausgestaltung des Lokals und die Musik scheiße. Was wohl dafür sorgt dass die Gäste wegbleiben - oder eher ältere Kundschaft kommt. Oder ihr Bauchweh. Das war auf einmal wieder da, als ab nach Hause! Mit nem Sub in der Fresse zu "Aoi" (dem pupsblauen Auto von Haku *g*) und dann heim. Zu Hause ihr erstmal Tee gemacht und dann zusammen gelernt. Auch wahnsinnig harmonisch... so könnte es immer sein. Dass ich einkaufen geh, wir zusammen lernen. Wo ist mir egal. Hauptsache mit ihr. Irendwann hats dann doch gereicht mit Lernen und wir sind ins Bett, kuscheln... wobei mich der Schlaf aber eiskalt übermannt hat und ich verwirrt um zwei Uhr nachts aufgewacht bin als sexy Ruha den Rollo runtergemacht hat... das war bestimmt ein Bild für die Götter: verpenntes, verwirrtes Reita mitten in der Nacht.

Sonntag... aufwachen mit der Gewissheit: Heute muss ich wieder weg. Kurz überlegt ob ich nicht einfach noch Montag bleib und blau mach... aber da stand das Gewissen im Weg. Trotzdem waren wir am Sonntag nach dem Duschen noch produktiv:
Danach dann: schnell weg. Sonst wäre ich einfach geblieben, Gewissen hin oder her. Die Fahrt war dann auch Horror, es wurde Nacht, das Navi hat geblendet, der Rücken hat geschmerzt und das Bett rief so laut dass es fast das Dröhnen des Motors übertönte.

Zu Hause erwartete mich dann das Grauen.
Wasser hoch wie Berge, dass auf dich zurast und alles wegschwemmt was du je besessen hast. Möbel, Erinnerungen... Familie. In den Erdbebenregionen wie von geisterhand durch die Räume rutschende Wohnungseinrichtung, fallende Sachen, berstende Fenster, das Knarzen des Hauses, vor dem Fenster hin und herschwingende Hochhäuser. Wie ein Baum im Wind. Ich denke man kann sich nicht vorstellen was die Menschen dort durchgemacht haben. Wie viel Angst, wie viel Leid, wie viel Panik, wie viel rasende Herzen, wie viele Tränen, wie viele "warum ich?"-Gedanken... und doch...
Hoffnung. Ich wünsche allen Menschen in Japan, dass sie nie aufhören zu hoffen. Zu hoffen, die Oma wiederzufinden. Zu hoffen, wieder in den Armen ihres Liebsten zu liegen. Zu hoffen die Tochter wieder ganz fest an ihr Herz drücken zu können. Manchmal wenn man nur fest genug glaubt geschieht ein Wunder. Ich wünsche den Menschen sich nicht von ihrer Verzweiflung wahnsinnig machen zu lassen.
Auch wenn es schwer ist wenn man vor den Trümmern seines Lebens steht. Auch wenn es schwer ist wenn rings um einen herum die Kernkraftwerke am explodieren sind. Auch wenn der Gedanke "wie geht es jetzt weiter?" wohl momentan gegenwärtiger ist als der Gedanke an Essen.
Und ich hoffe mit ihnen.

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