Saturday, September 10, 2011

the moon is shining brighter than my love

Er starrte aus dem Fenster, immer nur auf einen Punkt. Es war der helle Fleck dort draußen in der Dunkelheit, der seinen Blick beinahe magisch anzog. Ein fast voller Mond. Schon einmal war ihm nachgesagt worden, er wäre wenn es auf Vollmond zugeht anders. Doch das wollte er nicht. Er konnte es nur irgendwie nicht beeinflussen. Genausowenig wie er das nicht wollte, was passiert war.
Seit zwei Monaten waren er und Kai nun schon ein Paar. Nach den ganzen Beziehungsflops die er gehabt hatte, war dieser Mann ein Segen gewesen. Er brachte alles mit, wonach er sich gesehnt hatte. Er war warmherzig, er war für ihn da. Da gewesen.
Seit ein paar Wochen schon hatte sich alles nur noch um seinen Umzug gedreht. Und ein kleiner Dämon war in ihm erwacht. Eine Mischung aus seiner schlechten Vergangenheit, zu viel Arbeit aber vor allem... Einsamkeit. Er hatte nicht viele Freunde, da es ihm schwer fiel sich zu öffnen und zu vertrauen. Es hatte Jahre gedauert bis die wenigen Freunde die er hatte sich sein grenzenloses Vertrauen erkämpft hatten. Doch beim Leader hatte er sich sofort gut aufgehoben gefühlt. Er hatte ihn wirklich sehr geliebt. Er hätte sein Leben für ihn gegeben. Aber seit ca. einer Woche hatte sich das langsam, schleichend wie der Tod, verändert. Ohne dass er es wollte. Wenn sie miteinander schrieben nervten ihn die Antwortzeiten des anderen immer mehr. Und diese wurden auch immer länger. Er hatte irgendwann angefangen es zu hassen, seine eh zu wenige Freizeit damit zu verbringen auf eine Antwort seines Liebsten zu warten, gefesselt an den Laptop. Er hatte irgendwann einen Hass auf die zahlreichen Freunde des Drummers entwickelt, weil diese mehr Zuwendung bekamen als er. Am Anfang hatte er sich noch versucht einzureden, dass es doch ganz normal war. Dass der Dunkelhaarige jetzt viel mit seinen Bekannten aus seinem alten Wohnort unternahm, weil er diese bald nicht mehr sehen würde. Hin und wieder, wenn er unterwegs war, bekam er auch eine SMS. Doch - vielleicht bildete er sich das auch nur ein oder die Wut hatte sein Fühlen getrübt - irgendwie waren sie... lieblos. Er konnte sich irgendwie nicht mehr darüber freuen. Wenn Kai dann nach Hause kam machte er nebenbei noch zehntausend Dinge - aber mit ihm befasste er sich nicht. Und Reita war auf Abstand gegangen, unbewusst, er hatte es nicht einmal gemerkt. Bis sein Freund ihn gefragt hatte, was denn los mit ihm sei. Dann sagte er ihm, dass er sich vernachlässigt fühle und ungeliebt. Es wurde ihm versichert, dass sein Freund sich wieder mehr um ihn kümmern würde wenn der Umzug vorbei war und dass er ihn sehr liebte. Für Stunden nach dem Telefonat war alles wieder gut gewesen... doch dann schlug die Einsamkeit wieder zu. Eine Zeit lang redete er sich ein, dass die schlechte Stimmung in ihrer Beziehung nur am Umzug lag. Doch irgendwann fing er es an zu hassen, dass er Vollzeit arbeiten musste, nebenher noch die Kostüme überarbeiten musste und sein Freund nichts tun musste außer auszuschlafen und Umzugskartons mit den Habseligkeiten von nur einem Zimmer zu füllen. Er hatte ein paar Vertrauten erklärt, was zurzeit los war und sie um ihre Meinung gefragt. Ob er vielleicht überreagierte, ob er vielleicht einfach zu viel Aufmerksamkeit brauchte. Dass sie ihn in seiner Reaktion bestärkten machte die Sache nicht besser. Er kam sich mehr denn je ungeliebt, unverstanden (denn nach dem Telefonat war nicht die geringste Verhaltensänderung gefolgt, nichtmal die Stunde ungeteilte Aufmerksamkeit um die er gebeten hatte bekam er) und verzeifelt vor. Verzweifelt deswegen, weil er am Anfang gedacht hatte, dass Kai jetzt wirklich endlich der Partner fürs Leben war. Es zog seine Laune noch mehr in den Keller als eh schon, wenn er daran dachte, dass es wohl wieder nicht klappen würde und er wieder von Neuem anfangen musste zu suchen. War er vielleicht einfach nicht kompatibel? Mit niemandem? Zu sehr geprägt von seiner Vergangenheit? Sollte er vielleicht einfach eine Therapie machen? Aber gottverdammt - er war doch nicht gestört! Alles was er wollte war geliebt werden - und zwar nicht nur wenn er seinen Freund sah - und nur eine Stunde ungeteilte Aufmerksamkeit! Das war doch nicht zu viel verlangt?!
Gestern abend war er dann wieder allein - der Leader war schon wieder weg, außer Reichweite. Und in ihm drin brannte eine Gewissheit wie Feuer. Es bereitete ihm Übelkeit, er konnte seit Tagen nicht ruhig schlafen und doch - konnte er es ihm nicht sagen. Er konnte ihm doch den Start in die erste eigene Wohnung nicht so versauen! Aber... wenn er nichts sagte... würde es so weitergehen. Und dann musste er definitiv tun, wovor ihn seine beste Freundin gestern bewahrt hatte: er musste Schluss machen. Denn jemand, den man nicht mehr liebte... mit dem konnte er nicht zusammensein. Momentan war noch ein kleiner Funke da, wie bei einem Feuer, dass kurz vorm Ausgehen war. Aber er spürte, dass es nicht mehr viel brauchte, bis es aus war. Und dann würde es erneut dunkel in ihm werden. Das wollte er nicht. Genausowenig wie er seine Liebe zu dem hübschen Drummer verlieren wollte.
Und jetzt stand er immer noch hier, den Blick starr auf den Mond gerichtet. Sein schlechtes Gewissen plagte ihn, obwohl er für seine schwindenden Gefühle nichts konnte - zumindest nicht bewusst. Es quälte ihn, Kai unglücklich gemacht zu haben - er hatte es gehört am Telefon gerade, als er ihm gesagt hatte, was passiert war. Eigentlich hatte er sich nach seiner letzten Beziehung geschworen, seinen Partner nie wieder so weit zu bringen, dass die Trauer aus dessen Augen kam. Und doch hatte er es wieder getan... was war er eigentlich für ein egoistisches, unlernfähiges Beziehungsarschloch?! Er hatte die Hoffnungslosigkeit in der Stimme des anderen gehört. Kai glaubte anscheinend nicht, dass er ihm wenigstens eine Stunde täglich widmen könnte, nein, besser gesagt hatte er Angst was es für Folgen hatte, wenn es einmal nicht ging. Doch... es gab ja auch Ausnahmen. Wenn der andere bei Freunden war oder sonst etwas war, verstand er das ja. Er verstand nur nicht, wie man nichtmal ein einziges vernünftiges Gespräch mit ihm zustande bringen konnte wenn man zu Hause war und eigentlich nichts zu tun hatte. Er verlangte doch gar nicht viel... nur etwas Liebe, etwas Wärme und ein klitzekleines Bisschen Aufmerksamkeit ganz für ihn allein.
Ein Seufzen drang über die vollen Lippen des Bassisten, er wandte den Blick vom Mond ab und rieb sich über die Augen. Er ließ sie gleich geschlossen, horchte in sich hinein. Er hoffte, dass dort drin noch genug Glut am Glühen war um das Feuer ihrer Beziehung aufrecht zu erhalten. Es lag an seinem Freund. Wenn Kai endlich verstanden hatte, worum es ihm ging stand einer erneut auflodernen Liebe eigentlich nichts im Weg. Er hoffte es. Er wollte nicht schon wieder jemandem so weh tun nur weil er so ein verkorkster Spast mit völlig normalen Bedürfnissen war.

1 comment:

  1. Ich hab dich sehr sehr sehr lieb, Rei. Ich hoffe so sehr, dass du glücklich wirst.
    Du hast es verdient.

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