Tuesday, March 18, 2014

Die Kummertaucher

Ich habe sie schon immer gehasst. Und verachtet. Menschen, die ihrem Kummer, ihren Problemen und ihrem Schmerz freien Lauf lassen, alles wie Kotze aus ihnen herausquillt und die darin ersticken, sich gar nicht mehr daraus befreien können, haltlos und ohne zu kämpfen darin untergehen.

Ich möchte niemals so sein und wenn ich es manchmal doch bin, weil man mich dazu zwingt, verachte ich mich genau so wie eben jene Menschen. Das hat nichts mit dem Willen, Stark sein zu tun oder damit, dass ich gefühllos bin. Das hat etwas mit Respekt zu tun, Respekt dem Leben gegenüber. Respekt den Toten gegenüber, die über solche "Probleme" nur lachen würden.

Je länger ich mich mit einem Problem befasse, je mehr ich darüber nachdenke, je mehr ich darüber sprechen muss, desto größer wird es für mich. Es wächst zu einem Berg, der sich schwer und übermächtig nachts auf meine Brust setzt, der meine Mundwinkel wie mit Bleigewichten beschwert nach unten zieht. Dabei sollte man jeden Tag, jede Sekunde genießen. Kurz über Lösungen nachzudenken ist okay. Aber über etwas nachzudenken, was man nicht ändern kann ist Zeitverschwendung. Oder kannst du mir sagen, ob du morgen noch da sein wirst?

Ich verdränge nicht, nein, das ist das falsche Wort. Dinge, die sich nicht ändern lassen, akzeptiere ich einfach. Ich sperre sie weg, tief in mir drin und dort drin schrumpfen sie und werden immer bedeutungsloser, bis sie irgendwann vollkommen verschwunden sind.

Bestimmt hast auch du eine Situation in deinem Leben, die dir klar gemacht hat, wie schnell es vorbei sein kann. Jeder hat so einen Moment. Diese Erinnerung ist bei mir nicht weggesperrt. Ich lebe jeden Tag danach. Ich will mein Leben nicht mit Trauer und hängenden Mundwinkeln beenden. Ich will dabei lächeln können und sagen können: "Ja - ich hatte ein schönes Leben!" - selbst wenn es morgen schon vorbei sein sollte. Ich will dem Tod meinen nackten Arsch ins Gesicht stecken und sagen "Leck mich!", ich will Gott oder wem auch immer eine Liste auf den Tisch knallen mit "Das habe ich bereits gemacht/geschafft in meinem Leben".

Und das ist das Geheimnis des Lebens: ICH WILL.

Nicht ich würde oder ich möchte. Können würden viele, wenn sie es möchten. Nur mögen wollen sie nicht.

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