Tuesday, February 24, 2015

Wertvoll oder die Kunst zu sich selbst zu finden

Wie angekündigt komme ich nun auf den Berliner-Studenten-Typi zurück.

Man stelle sich Folgendes vor: eine sehr gut besuchte Bar, Adelina, Kyo und ich an einem Tisch und zwei Leute ohne Tisch, denen wir angeboten haben, ihre Drinks auf unserem Tisch zu platzieren. Die zwei Leute waren der Berlin-Typi und seine total nette Begleiterin. Kyo und ich küssen uns (wie man das als Paar halt hin und wieder macht...) und auf einmal schreit der Berliner "Was war das denn?!" als hätte er noch nie zwei sich küssende Leute gesehen. Total perplex wird ein "Ähm... wir sind zusammen?!" geantwortet, woraufhin der Typ in einer Art und Weise die Augenbrauen hochzieht, die bereits auf Einiges schließen lässt. Mit Blick auf Kyo erwidert er Folgendes und deutet dabei auf Adelina:

"Ich an deiner Stelle würde sie nehmen."

Natürlich war die Entrüstung über diesen Satz von Seiten Kyo's und Adelinas groß. Ich selbst schwieg.

Es gibt mehrere mehr oder weniger abenteuerliche Theorien, wie Homo- und Transsexualität zustande kommt. Sicher kann ich aber sagen, dass all diese Personen Menschen wie jeder da draußen sind, die genau wie jeder andere auch Liebe, Anerkennung und Respekt benötigt, sowie das Gefühl, sich selbst als hübsch zu empfinden.

Ich selbst kenne diese Gefühle nur zu gut. Früher war alles, was mir in der Mehrheit zu mir als Mädchen einfiel "hässlich, fett, eklig/abstoßend, zu anders". Ich war nie die Schönste irgendwo. Ich war die, die den von der besten Freundin "abgelegten" Freund abbekommen hat. Ich war die, die sich nie getraut hat einen Typen der mir gefällt anzusprechen, aus Angst davor er würde erschrocken zurückspringen und sich erbrechen. Ich war die, die Sätze zu hören bekam wie "Ich an deiner Stelle würde die andere nehmen" und daraufhin tagelang nicht gegessen hat. Ich war die, die verzweifelt versucht hat den seltsamen Körper irgendwie zu etwas weiblichem, Ansprechendem zu machen und lockte damit versehentlich die komischsten Typen an wie eine Glühlampe eine Schar von Motten. Ich fühlte mich benutzt, von Blicken ausgezogen, degradiert, diskriminiert, nackt auf die unangenehmste Art die man sich vorstellen kann. Ich fühlte mich ausgezogen, schutzlos, hilflos und solche Sätze brannten sich wie Narben in mich ein. "Nicht die, nimm die andere!"

Heute schweige ich über solche Sätze. Und lächle. Wenn ich Sneaker, Baggy-Jeans, Boxershorts und ein Hemd anziehe, grinse ich mich im Spiegel an und fühle mich sexy. Ich muss keineM mehr gefallen. Ich muss nur mir gefallen und mir gefällt was ich im Spiegel sehe, auch wenn es nicht meinem Geschlecht entspricht. Dort wo ich hingehe, gehe ich auf die Leute zu, lache, scherze, lebe. Und auf einmal bin ich - so verquer wie ich jetzt bin - doch beinahe begehrt und beliebt geworden. Und das macht mich glücklich, dass es Menschen gibt, die quer über ein Con-Gelände rennen und meinen Namen brüllen. Das es jetzt Leute gibt, die mich sogar vermissen.
Und hin und wieder trage ich sogar "normale" Klamotten. Nur wenn mir danach ist, nur für mich selbst weil ich wieder einmal entdeckt habe, dass ich doch nicht so fett bin. Dann steige ich in High-Heels aus dem Auto und jedem Kerl, der dann da käme würde ich sagen:

"Hau ab, denn früher war ich es auch nicht wert."

Denn darum geht es. Sich selbst wertvoll zu fühlen. Egal ob man eine Frau ist, die eine Frau liebt. Oder eine Frau, die sich nur in Männerkleidung vollkommen schön und sicher fühlt. Man sollte nur das tun, was sich gut anfühlt. Und ich fühle mich jetzt ne Runde wertvoll! ☆~(ゝ。∂)

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